activist blurred background climate 2990610Chancen des Neubeginns einer klimaschonenden Energiepolitik

Leider hat Österreich seine Klimaschutzziele, die es seit 30 Jahren, zuletzt 2015 in der Klimakonferenz in Paris mit beschlossen hat, in punkto CO2 Einsparung bisher weit verfehlt: Um vom jährlichen österreichischen CO2-Ausstoß von 80 Millionen Tonnen bis 2030 auf unter 40 Mio. t zu kommen, hätte unser Land (Hauptverursacher: Verkehr, Energieerzeugung, Industrie, Intensiv-Landwirtschaft, Hausbrand) jährlich diese Emissionen um 3 Mio. t reduzieren müssen. Da aber der CO2 Ausstoß in den letzten drei Jahren sogar noch zunahm, müssen wir ab heuer 4 Mio. t jährlich einsparen, um das Zwischenziel 2030 mit 40 Mio. t. und das Hauptziel 2038, CO2-frei zu produzieren, zu erreichen. Nur so können wir unseren Beitrag leisten, aber auch die anderen Staaten der Welt müssen ihren CO2-Ausstoß drastisch reduzieren, damit die Erderwärmung nicht über die gerade noch verkraftbaren 1,5 bis 2,0 Grad C ansteigt.

Diese Rechnung hat der Sprecher von Energy Peace, der anerkannte Pionier der Erneuerbaren Energien, Dr. Heinz Kopetz, aufgestellt und befindet sich damit auf Augenhöhe mit internationalen Klimaforschern und Umweltaktivisten. Frühzeitig hat er schon vor großen Schäden für das Klima gewarnt, sollten die politischen und wirtschaftlichen Verantwortungsträger nicht Lenkungsmaßnahmen wie die Ökologisierung des Steuersystems einführen. Seit langem bringt er Vorschläge ein, wie man nicht nur im Großen, sondern auch in der persönlichen Lebensführung CO2 einsparen kann. In seinem neuen Aufruf wendet er sich an unsere Innenpolitik und fordert die Parteien und die neue Regierung auf, endlich die Chance eines Neubeginns für eine wirkungsvolle Klima- und Energiepolitik zu nützen.Die Emissions-Ziele wurden weit verfehlt – eine Ökologisierung des Steuersystems ist unerlässlich!

thumb Grafik Österr. Emissionen Scan 20190902 3 002In UNO, EU, Bund, Ländern und Gemeinden - Mehrheiten suchen für Klimaschutz-Maßnahmen

Meiner Meinung nach sollten nach den Zielberechnungen des UNO-Klimagipfels unsere Nationalräte im sogenannten freien Spiel der Kräfte keinen Monat vergehen lassen, um den Klimaschutz, die wichtigste und dringendste aller politischen Aufgaben anzupacken, die vielen vorliegenden Anregungen und Konzepte mit Initiativanträgen im Parlament zu beschließen. Die Parlamentarier sind nun einmal das beschließende Organ, während die Regierung laut Verfassung hauptsächlich für die Vollziehung zuständig ist. Auch die Übergangsregierung kann und soll dafür sorgen. Wenn sie zusätzlich die Parlamentarier mit Regierungsvorlagen unterstützt, umso besser.

Bund, Länder und Gemeinden sind aufgerufen, Förderungen für Photovoltaik, Windkraft, Holzheizungen zu erhöhen und diese Kosten nicht dem Ökostrom-Bezieher anzulasten, sondern mit einer CO2-Steuer hereinzubringen. Bestehende erhöhte Einspeisetarife sollten wie bei den Biogasanlagen schon geschehen, auch auf die Photovoltaik und Windkraft ausgeweitet werden. Flugbenzin ist bisher steuerfrei, obwohl dieser Treibstoff besonders schädliche Emissionen verursacht. Mittel aus der Kerosin-Besteuerung wären zu Gunsten desöffentlichen Verkehrs in Stadt und Land umzuschichten: Ausbau des Bahnnetzes, Verbilligung der Tickets aller öffentlichen Verkehrsmittel u.dgl. In unserer Gemeinde fördern wir u.a. mehrere Arten erneuerbarer Energieanlagen. Angesichts der Wichtigkeit und im Vergleich zu anderen Ausgabenposten sind wir gefordert, noch mehr Anreize zu schaffen.

Erfreulicherweise berichten Medien auch immer häufiger, was wir Konsumenten mit einem überlegten Einkauf zur Ressourcenschonung beitragen können. Kommt es aus Gesundheitsgründen zu weniger Fleischverzehr, bewirkt das weiters weniger Massentierhaltung und nicht so viele qualvolle Tiertransporte, mehr Chancen für Direktvermarktung und für den biologischen Landbau. Durch die in Biobetrieben praktizierte echte Fruchtfolge bringen bessere Böden einerseits gesündere Lebensmittel hervor und andererseits wird sowohl mehr Grundwasser gespeichert, als auch mehr CO2 aus der Luft in den Boden eingebracht.

Wie alarmierend es um die Zukunft unserer jungen Generation bestellt ist, haben es uns hunderttausende Schüler, Lehrlinge, Studenten eindrucksvoll mit ihren Streiks fürs Klima kundgetan. Da müssen wir, Eltern und Großeltern uns wohl an der Nase nehmen, wenn sie uns mit Recht unverblümt sagen, „nehmt uns doch nicht unsere Zukunft“, und „wir haben nur einen Planeten“, und „Opa, was ist ein Schneemann?“ Das müsste endlich auch Politiker und Wirtschaftsbosse wachrütteln. Denn es ist nicht fünf vor zwölf, sondern in manchen Bereichen schon 1 vor zwölf oder gar nach 12!

Sollte es nämlich nicht gelingen, die auf der Klimakonferenz 2015 in Paris beschlossene Begrenzung der Erderwärmung bis ca. 2030 zu schaffen und würden die Durchschnittstemperaturen um über 2,0 Grad C ansteigen, droht der Kippeffekt und eine selbstlaufende Weitererhitzung der Erdatmosphäre auf 4 bis über 6 Grad. Dann geht der Klimawandel von der begonnenen Klimakrise, worunter viele Gegenden heute schon durch Hitze- und Dürreperioden, Stürme und Überschwemmungen leiden, über in eine globale Klimakatastrophe. Darüber spricht man nicht gerne, aber Klima- und Wirtschaftsforscher haben auch diese Szenarien berechnet:

Wenn wir – vor allem in den Industriestaaten - so weitermachen oder nur wenig Emissionen einsparen, werden in einigen Jahrzehnten nicht nur viele Gletscher verschwunden sein, sondern die riesigen Perma-Frostgebiete in Sibirien und Kanada auftauen. Dabei würden große Mengen des im Boden gespeicherten Methangases in die Luft ausströmen, was sechs Mal so klimaschädlich ist wie CO2. Erwärmen würden sich aber auch die Weltmeere und die damit verbundene Ausdehnung des Wassers würde die Meeresspiegel stark ansteigen lassen und riesige Tieflandzonen auf allen Kontinenten unter Wasser setzen. Millionen Klima- und Hungerflüchtlinge wären wohl nicht mehr aufzuhalten, unsere kapitalistische auf Spekulation aufgebaute Finanzwirtschaft würde panisch reagieren und zugleich eine Weltwirtschaftskrise auslösen!

GR Karl Semmler, Mitglied der Europäischen Föderalistischen Bewegung (EFB) Steiermark

Aktuelles

Klick: Lade mehr Halte SHIFT und Lade alle Jetzt Klick und Lade alle